4 Monate Dauerwahnsinnssendung
Bericht zur 16. Wormser „Friedens“ Montagsmahnwache am 22.9.2014
An einem kalten Septembertag trafen sich 20 Menschen um die übliche Mischung aus „die Medien lügen, Russland gut, Amerika schlecht“ zu hören, ergänzt mal wieder um eine verkürzte Kapitalismuskritik.
Die Musik machte wieder Hubert Kern und den Ankündiger machte Organisator Matthias, da der verantwortliche Veranstalter Armin Neubecker erst später kam.
Den ersten Vortrag machte Stefan zu Handel und Krieg.
Es wird der Vergleich gezogen, dass Freihandel Krieg ist. Die Superreichen besitzen zu viel und haben entsprechend Einfluss auf die Politik. Medien und Politik werden gesteuert von den Reichen und das führt unweigerlich zum Krieg. Schuld sind eindeutig die Kapitalisten und der Krieg in der Ostukraine sei ja auch nur wirtschaftlich begründet.
Deutlicher wird er bei TTIP, eins der Freihandelsabkommen, welches auch von verschiedenen nicht-rechtsesoterischen Verbänden kritisch betrachtet wird. Die Stimme der Bürger, auf welche die Mahnwache sich ja immer berufen und nur sie vertreten, wird nicht gehört, weil wir (als Westen) ja alle „an Marionettenfäden hängen“. Und die EU ja „Griechenland ausblutet und aussaugt“. Wir leben in einer Kapital- und Finanzdiktatur und die Politiker sind der verlängerte Arm der amerikanischen Wall Street. Der Reichsbürger in den Mahnwachen blitzt auch kurz auf; Deutschland ist nicht souverän, weil die BRD ja noch unter Verwaltung steht und nicht reformierbar ist. Man sollte regional Alternativen entwickeln, wie Regionalgeder und ähnliches.
Es wird deutlich, dass die Kapitalismuskritik der Wormser Mahnwache zwar gegen Kapitalisten ist, aber nicht gegen Kapitalismus. Es wird nie erwähnt, dass der Kapitalismus strukturelle Gründe hat und nicht zu lösen ist, indem man die Superreichen, Warren Buffet, die Wall Street oder wen auch immer einfach enteignet oder direkt physisch angreift, was die Mahnwächter ja gerne mit „den Medien“ machen würden (siehe Bericht 8. Mahnwache). Falls man nämlich „die Kapitalisten“ eben als Getriebene innerhalb des Systems sieht, die sich aufgrund des Wirtschaftsystems in dem sie leben, so verhalten (müssen) verliert man sehr schnell die simple Erklärung, klar zu bennende Einzelpersonen und diffuse Feindbilder(Kapitalisten, Juden, Illuminaten, Bilderberger…) wären schuld und die Anschlussfähigkeit bzw. Verwurzelung nach rechts außen geht flöten. Den Widerspruch von Kapital und Arbeit hebt man nicht auf, wenn man einige oder viele Reiche „entfernt“, oder mehrere (Lokal-)Währungen einführt.
Der zweite Redner war Paul, wie immer mit seiner kruden Mischung aus Medien, Russland und Krieg. So behauptet er, die Medien behaupten, Putin würde behaupten in Polen einmarschieren zu wollen, behaupten andere. Alles klar? Aber es gibt ja „unendlich“ lange Güterzüge nach Rumänien und Co. die ja massenweise Panzer hintransportieren, aber niemand das bemerkt außer den Mahnwächtern und die Medien schweigen oder lügen ja alle sowieso. Und sie hetzen gegen Putin.
Das offene Mikrophon war nochmal interessant, so gab es 2 Leute, darunter der Redner Stefan, die ja deutsche Soldaten kennen und mit denen geredet haben, die in der Ukraine under cover, ohne offiziellen Auftrag, oder dass sie als deutsche zu erkennen wären gegen Putin kämpfen. Wer das sein soll wird nicht gesagt. Aber die Mahnwächter haben das aufgedeckt. Irgendwie.
Es gab auch noch die Warnung von Paul, dass sich Leute in Mahnwachen einschlichen um die Bewegung zu spalten. Offenbar gibt es wohl doch Leute bei den Mahnwachen, bei denen die immer so groß postulierte Offenheit und Meinungstoleranz Grenzen hat.
Anschließend wurde noch erwähnt, dass es eine Sammelaktion für ukrainische Flüchtlinge gibt. Fraglich ob diese nach staatlich kontrollierten (damit das womöglich nicht in den Taschen der Mahnwächter verschwindet?) Regeln abläuft.
Pressespiegel zur Stadtratssitzung am 10.9.2014
Weick war in Begleitung von mehreren Personen, darunter René Hirschfeld aus Worms und dem NPD Landeschef Markus Walter wieder aufgetaucht, aber in der Sitzung recht erfolglos. Er wurde u.a. von Oberbürgermeister Kissel zum Thema Fraktionsstatus belehrt.
http://nibelungen-kurier.de/npd-im-stadtrat-isoliert/
http://wo-magazin.de/wer-hat-angst-vorm-braunen-mann/
Ermittlungen gegen NPD-Stadtrat
Das Spitzenpersonal der NPD Worms hat sich wieder politisch betätigt. Nach der Anzeige wegen Bedrohung und Verstoßes gegen den Datenschutz und dem Angriff auf eine antifaschistische Kundgebung, hat Michael Weick wieder Ärger:
Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts der Volksverhetzung, da Weick vermutlich rechte Parolen im Wormatia Stadion zusammen mit seinen Kameraden von sich gegeben hat.
„Medien das Maul stopfen“
Bericht zur 8. Wormser „Friedens“-Montagsmahnwache am 28.7.2014
Nachdem bereits mehrmals im Internet über die Wormser Mahnwache berichtet (https://wormsnazifrei.wordpress.com/) und über ein Nachlassen der bundesweiten Mahnwachen gemutmaßt wurde, scheint das in Worms nicht der Fall zu sein. Ein harter Kern von 20-25 Leuten, darunter wieder AFD Chef Matthias Lehmann, kommt regelmäßig. Die inhaltliche Ausrichtung aus Antiamerikanismus, alle westlichen Medien lügen und wir sind die Wahrheit, wird ebenfalls beibehalten.
Anfang und Ende der Kundgebung hat der Musiker Hubert Kern, alias der „Fuxdeiwelswilde“ begleitet. Die Reden wurde von Stefan, Paul und Patrick gehalten, allesamt alte Hasen, die öfters in Worms reden.
Stefan sieht Russland ausschließlich als armes Opfer im Ukrainekonflikt, das vom Westen in ausweglose Situationen gebracht wurde. So hat der Abschuss des Flugzeugs MH17 laut ihm zur Folge, dass Russland sich entweder den Forderungen „des Westens“ beugen müsste oder außenpolitisch isoliert werde. Dazu werde dann der Westen, unter Führung der USA natürlich, ganz bestimmt „Unruhemomente“ schaffen, sollte sich die Ukraine für Russland entscheiden.
Paul machte bei der Ukraine gleich weiter. So ist die Antiterroraktion, welche die ukrainische Regierung im Osten des Landes macht, eine Terroraktion, gegen die eigenen Leute um den Landesteil zu entvölkern. Als Bildung empfiehlt er das Video „terroristische Aktionen gegen friedliebende Demonstranten“. Im Video sind Zusammenschnitte von Gewalt von Vermummten gegen Polizisten zu sehen, sowie Ausschnitte von RT, ein russischer staatlich finanzierter Sender. Das ganze soll ein Beleg für Manipulation der westlichen Medien darstellen. Darin wird plötzlich gegen Ego-Shooter, auch Killerspiele genannt, gehetzt (Ein Dauerthema des Besitzers von klagemauer.tv, des schweizerischen Sektengründers Ivo Sasek). Verbreitet wird das Video von den Medien, die in der Nähe zu KenFM, Compact und weitere stehen, welche homophobe Äußerungen, Chemtrails usw. verbreiten. Paul wiederholt ebenfalls die Aussage, dass die Demonstranten auf dem Maidan alles bezahlte Söldner bzw. „Lohnterroristen“ der USA waren. Die Massenmedien werden wieder einmal der Volksverhetzung, der fahrlässigen Tötung und der Vorbereitung von Angriffskriegen beschuldigt und sich auf Menschenrechte berufen.
In gleicher Tonart wird sich wieder beschwert, dass die bösen Massenmedien, die Mahnwachen unterdrücken und es völlig abwegig ist, dass es hier Verschwörungstheoretiker gibt. Die Weltkriege müssen natürlich auch wieder vorkommen, so hat die USA von allen Kriegen und den beiden großen im besonderen, überhaupt immer nur profitiert.
Besonders interessant ist noch das Medienverständnis. So sollte man in die Redaktionen, gerade der Wormser Zeitung, gehen und mal sagen, das geht so nicht, sie sollen die geheime Wahreheit drucken. Auch sollte man den Medien, die nicht die Wahrheit der Mahnwachen erkennen, „das Senderecht entziehen“ und mal „das Maul stopfen“. Pressefreiheit ist da wohl nicht so wichtig.
Auch wurde gesagt, das der Flugzeugabsturz MH17 von den USA gemacht wurde, und die USA keinerlei Beweise gegen Russland haben, während Russland eine Vielzahl unwiderlegbare Beweise dafür habe, dass man eben nicht Schuld ist.
Patrick startet dann gleich in die Vollen: 9/11 war von den USA gemacht, um endlich Krieg führen zu können. Al-Quaida wurde von den USA gesteuert, nicht nur geschaffen. Auch werden wir ständig überwacht, nicht mal unter vier Augen kann man sprechen, ohne abgehört zu werden. Auch ist der Irakkrieg genau so gelaufen, wie er von Anfang geplant war (inklusive ISIS?). Die Kriegspropaganda nach 9/11 sei auch mit der Propaganda von Göbbels zu vergleichen.
Als einmal ein kurzer Moment von kleiner Kritik an Russland auftaucht, nämlich der verübten Kriegsverbrechen der USA als auch Russland, wird sofort wieder zurück gerudert und die der USA als zahlreicher, schlimmer und insgesamt bösartiger behauptet.
Dann kam das offene Mikrophon, bei der auch Kritik geäußert werden sollte. Verbunden mit dem drohenden Hinweis, wer Kritik hat, sollte sie dort äußern und nicht woanders, schon gar nicht im Internet. Im Zusammenhang mit den Übergriffen der Mahnwächter bei ihrer zweiten Mahnwache, der seltsamen Vorstellung von Pressefreiheit und der Aggressivität gegenüber kritischen Medien, nicht besonders einladend.
Auch wurde für die Zeitung Stimme und Gegenstimme(S&G) geworben, die man besonders von Hand zu Hand weitergeben sollte, da das Internet jederzeit abschaltbar sei und kontrolliert wird. S&G ist eine primäre Online-Publikation aus dem Umfeld des oben genannten Ivo Sasek (die u.a. für seine Website sasek.tv wirbt). Inhaltlich besteht sie nach eigener Aussage aus anonymen Leserbriefen, bedient Themen der neuen Rechten (Zusätzlich uns besuchende Aliens oder auch radioaktive Zigaretten) und ist auf der inhaltlichen Linie der Mahnwache mit der lügenden, kriegstreiberischen USA und des friedliebenden Russland.
Es wurde sich mehrmals ernsthaft gewundert, warum Leute den Mahnwachen Antiamerikanismus zuschreiben. Auch wurde noch gewarnt, auf sich aufzupassen, da es jederzeit passieren kann, über Nacht mitgenommen zu werden für irgendwelche Kriege von irgendwelchen Leuten.
Insgesamt scheint die Mahnwache Worms nicht aus dem personellen gleichen Kreis der Zuhörer und Aktiven herauszukommen, die Themen sind auch meistens die gleichen, zumal die Redner immer wieder deutlich „die westlichen Medien lügen alle“ und Russland das Opfer mehrmals betonen. Fraglich, ob die Idee, Infozettel mit (natürlich DIE Wahrheit beinhaltenden) Informationsquellen zu drucken, da Abhilfe schaffen wird.
Pressespiegel Kundgebung gegen NPD-Einzug am 23.7.2014
http://meinworms.blog.de/2014/07/23/unspektakulaerer-einzug-npd-stadtrat-bitte-lesen-18949078/
http://www.rnf.de/mediathek/video/protest-gegen-rechts-in-worms/#.U9H9XN0cY7s
http://www.rpr1.de/news/409839/auftakt-fuer-wormser-stadtrat
http://www.w1-extrablatt.de/nachrichten/detail/anzeigen/kein-platz-fuer-nazis-4667/
Redebeiträge auf der Kundgebung:
https://de-de.facebook.com/12april.worms
Mahnwache gegen Rechts
Aufruf zur Mahnwache zur Stadtratssitzung am 23. Juli 2014
Bei der Kommunalwahl 2014 konnte die NPD in Worms einen Stimmenanteil von 2,83% erreichen und somit ein Mandat im neu gewählten Wormser Stadtrat erreichen. Dieses Ergebnis ist mehr als nur ein Warnschuss, scheint die Stimmungsmache der NPD gegen Flüchtlinge und Menschen islamischen Glaubenes in einigen Stadteilen eine gewisse Zustimmung erfahren zu haben. Gleichzeitig ist der rechtspopulistischen „Alternative für Deutschland“ bei der Europawahl mit einem Stimmenanteil von 7,8% ebenfalls mehr als nur ein Achtungserfolg gelungen. Am 23. Juli trifft sich um 14 Uhr erstmals der neu gewählte Stadtrat.
Wir als Bündnis „Schöner leben – Nazis stoppen“, in dem sich Gruppen, Parteivertreter_innen und Einzelpersonen aus Worms und Umgebung zusammengeschlossen haben, möchten zur Teilnahme an einer Mahnwache aufrufen. Denn Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz können niemals die Antworten auf wirtschaftliche Krisenhaftigkeit und die damit verbundenen Unsicherheiten sein.
Kundgebung
am 23. Juli 2014 ab 11:30 Uhr
auf dem Wormser Marktplatz
Lasst uns gemeinsam NEIN sagen zu rechter Hetze, zu offen faschistischen Äußerungen der NPD, genauso wie zum Rassismus der AfD. Lasst uns gemeinsam zeigen, dass in unserer Gesellschaft kein Platz ist für Rassismus, Intoleranz, Verwertungslogik, Homophobie und Sexismus.
Mahnwächter werden übergriffig
Bericht zur 2. Wormser Mahnwache am 16.6.2014
Es wurde bereits in einem anderen Bericht (https://linksunten.indymedia.org/de/node/116717) über die Mahnwache als „Plattform rechter Verschwörungstheoretiker“ geschrieben. Die darin geäußerte Hoffnung, dass die Mahnwache sich von bizarren Verschwörungstheorien und rechtem Gedankengut distanziert, ist bisher nicht passiert und scheint auch nicht gewollt.
Die Veranstaltung wurde kreativ-kritisch begleitet von einem „Bullshit-Bingo“ einiger junger Leute, welches für verschwörungstheoretische, rechtsaußen Veranstaltungen gedacht ist.
Anfang und Ende der Mahnwache machte „Liederpoet“ Helmut Wingerter mit seiner Gitarre. Neben pauschalen Gesellschaftserklärungen von „die da oben“ und „wir da unten“ gab es auch interessante Feel-Good Vorschläge, einfach mal Steine nach ihrer Meinung zu fragen.
Dann hatte „Stefan“ seinen Auftritt. Nach den, bei den Wormser Mahnwachen üblichen, Aussagen dass alle Massenmedien lügen und nicht objektiv berichten (so wird ja auch die hiesige Mahnwache böswillig ignoriert) ging es zum Thema Demographie.
So werden zum Thema Rentenkasse fälschlicherweise Rentner und Arbeiter gegenübergestellt und die beiden Gruppen gegeneinander ausgespielt, um die private Vorsorge zu propagieren. Zum Nutzen für die „Finanz- und Versicherungsindustrie“. Hauptproblem ist für ihn der Kindermangel!
Dass die Rentenkasse ausgedünnt wird aufgrund von sich ausbreitenden Niedriglöhnen, sowie eine Erhöhung des Rentenbeitragsatz seitens der Arbeitgeber unerwünscht ist und somit eine Verteilungsfrage, wird nicht erwähnt.
Ein besonderes Highlight von ihm war ein Verweis auf ein Interview von Ken Jebsen auf KenFM mit dem CDU-ler Willy Wimmer zur Ukrainegefahr. KenFm war die Radiosendung von Ken Jebsen, bevor er nach Antisemitismus-Vorwürfen („Ich weiß, wer den Holocaust als PR erfunden hat“ Zitat Jebsen) vom RBB rausgeworfen wurde und nun mit eigener Sendung und im Magazin Compact, dem eine Scharnierfunktion zwischen Rechtskonservativen und extremer Rechte bescheinigt wird, seine kruden Ansichten verbreitet.
Wer mal die genannten Quellen anschaut, weiß sofort wer der Böse ist: Im fraglichen Interview wird im ersten Satz von Jebsen „der Westen“ als gesteuert von den USA genannt. Auch wird Merkel als von Washington gesteuert dargestellt, und Russland finanziell erdrückt. Wimmer bringt an dass Japan von den USA in den zweiten Weltkrieg getrieben wurde (man erinnere sich an die Aussage der ersten Mahnwache, Nazi-Deutschland wurde von Geheimdiensten in den 2. WK getrieben). Jebsen bringt zum Schluss noch die Aussage, Deutschland ist nicht souverän. Ein Chiffre für den bei Nazikreisen beliebten Mythos des immer noch von Allierten besetzten Deutschlands.
Was die Mahnwächter von den so sehnlich herbeigeredeten kritischen Medien halten, wurde deutlich als ein Fotograf die Mahnwache dokumentieren wollte. Schnell setzten sich zwei Teilnehmer in Bewegung und drängten ihn ab. Nach Drohungen, sie dürfen nicht fotografieren (was bei öffentlichen Aufzügen klar erlaubt ist) kam die Aussage „ich hau dir in die Fresse“, sowie der Versuch, mit Schlägen die Kamera zu zerstören. Hilferufe ignorierte die Mahnwache, glücklicherweise kamen die jungen Kritiker zu Hilfe.
Beim offenen Mikro musste Johannes vom letzten Mal wieder ran und stellte das Vorgehen des ukrainischen Präsidenten Poroschenko gegen die Kämpfer in der Ostukraine Genozid, mit extra gesprengten Schulen, toten Kindern, usw. da. Beleg: Ganz deutlich zu sehen in Youtube.
Plötzlich kam ihm in den Sinn, dass es gut tut, wenn alle mehrmals ganz laut „Wir sind das Medium!“ rufen.
Schlussredner war ein älterer Herr, der nach persönlichen Telefonaten wusste, dass es ganz schlimm sei in der Ukraine und die Medien (wieder mal) infiltriert waren.
Zum Ende hin kam dann die Aufforderung, dass jeder Teilnehmer 2 neue mitbringen soll (ganz nach dem Schneeballsystem), um mehr zu werden, da man wohl merkt, dass das Interesse sich stark in Grenzen hält.
Am Schluss kam wieder die Distanzierung, dass die AFD Flyer, die wieder unter dem Beisein von AFD Chef Matthias Lehman verteilt wurden, wieder nichts mit der Mahnwache zu tun haben.
Nach der heutigen Mahnwache ist keine inhaltliche Veränderung bei den Mahnwächtern abzusehen. Es bleibt abzuwarten, ob sich die Wormser Mahnwache dem Bundestrend anschließt und mit sinkenden Teilnehmerzahlen in der Bedeutungslosigkeit verschwindet. Allerdings hat der heutige Übergriff offenbart, was von den Forderungen nach Frieden zu halten ist und gezeigt, das für die Mahnwächter Gewalt durchaus akzeptabel ist.
Braune Untertöne bei Wormser Montagsmahnwache
(Entnommen von https://linksunten.indymedia.org/de/node/116717)
Ein bisschen Frieden, ein bisschen Sonne – und jede Menge braune Untertöne
Erste Montagsmahnwache in Worms hält was sie verspricht.
Kriegstreiber, Medienlüge und Finanzbetrug stoppen, zu diesen Punkten fand am Montag den 9.06.2014 die erste „Mahnwache“ in Worms statt. Im Vorfeld war die Veranstaltung insbesondere von den Rechtspopulisten der „Alternative für Deutschland“ beworben worden und dort wurden auch Flugblätter der AfD verteilt.
Bereits im Vorfeld gab es Diskussionen über den verschwörungstheoretischen Charakter der Veranstaltung. Was dann am Montag folgte waren teilweise Belanglosigkeiten wie eine längere Ausführung zu der These „Die Bank ist nicht dein Freund“ da diese tatsächlich nicht vorhandenes Geld verleihen würde um damit, man höre und staune, auch noch Gewinne zu machen.
Gefolgt von üblichen verschwörungstheoretischen Behauptungen wie, dass die Amerikaner hinter den Anschlägen auf das „World Trade Center“ stecken um einen Kriegsgrund gegen Afghanistan zu besitzen, wurde nebenbei erwähnt, dass der Auslöser des 2. Weltkrieg kein Überfall einer faschistischen Diktatur auf umliegende Staaten war, sondern dieser genauso wie der 1. Weltkrieg auf Provokationen von Geheimdiensten zurückzuführen sei, laut dem Redner „Paul“.
In einem Flugblatt, das bei der Veranstaltung verteilt wurde heißt es: „Wir haben am 2. WK nicht teilgenommen, um ca. 25% Steuern an die Besatzungsmächte zu bezahlen“ – da drängt sich natürlich die Frage auf: wofür haben „wir“ denn eigentlich „teilgenommen“? So wird im gleichen Wortlaut behauptet, dass das deutsche Volk seit 70 Jahren besetzt wird.
Wirklich zur Sache ging es dann in den Gesprächen nach der eigentlichen Mahnwache. So war es äußerst schwierig unter den diskutierenden Menschen, welche zu finden die den Holocaust nicht abstritten oder zumindest meinten man wisse letztendlich nicht ob er stattgefunden habe. Gerade auf die Frage nach der deutschen Geschichte und ob das mit den Geheimdienstprovokationen als Auslöser für den zweiten Weltkrieg wirklich so gemeint war, folgten immer wieder die selben Phrasen wie „ich habe damals nicht gelebt und habe es satt mich als Deutscher immer dafür zu rechtfertigen“.
Besonders beim Thema Ukraine kam die plumpe Anti-Amerika Haltung zum Vorschein. So wurde zu Russland von „einwandfreien Referenden“ und ignorierten objektiven russischen Berichten geredet. Für die USA gab es nur Ausführungen wie „Putschregierung“, CIA-Agenten und die Demonstranten auf dem Maidan waren alles bezahlte Söldner. Garniert wurde das mit Ausdrücken wie „Unser Blut wird fließen“, „Wir erwachen aus unserem Schlaf“ und weiteren.
Bei den Massenmedien sind sich die Mahnwächter nicht so sicher, einerseits lügen sie alle (!) . Andererseits werden Youtube-Videos als zuverlässige Informationsquelle genannt, aber gleichzeitig vor der bösen Youtube-Propaganda gewarnt.
Insgesamt wirkte die Veranstaltung irgendwie wie eine Mischung aus NPD Stammtisch trifft Scientology.
Vor diesem Hintergrund wird erneut deutlich, wie schwierig die Einschätzung der Montagsmahnwachen oft ist. In einigen Städten wurde mittlerweile eine klare Trennlinie zu bizarren Verschwörungstheorien und rechtem Gedankengut vollzogen, sodass eine pauschale Bewertung der Bewegung schwierig ist.
Da es sich in Worms um die erste Veranstaltung dieser Art handelte bleibt abzuwarten, in welche Richtung die weitere Entwicklung der „Montagsmahnwachen“ geht. Schafft es diese Bewegung sich wie auch in anderen Städten zu einer „Friedensbewegung“ zu emanzipieren oder bleibt sie das, was sie zumindest in Worms momentan zu sein scheint: eine Plattform für rechte Verschwörungstheoretiker.
Neu gewählter NPD Stadtrat greift antifaschistische Kundgebung an
Update 31.5.:
Nach einem Kurzbericht der Wormser Zeitung ermittelt die Polizei zu dem Fall. Kaum zu glauben: Randale-Weick attackiert bewaffnet die Demonstranten und behauptet, er würde angegriffen…
Quelle: https://linksunten.indymedia.org/de/node/115100
Nachdem der Einzug der NPD in den Wormser Stadtrat bekannt wurde, gab es eine spontane Demonstration von der Synagoge in der Judengasse zum Rathaus, um dort eine Mahnwache abzuhalten. Anschließend gab es eine weitere spontane Kundgebung vor dem Haus des Spitzenkandidaten Michael Weick, der mit Flaschenwürfen, Pfefferspray und einer Verdrehung der Tatsachen antwortete.
Am 26.05.2014 bestätigte sich das, was in Worms viele befürchtet hatten: Die NPD zieht in den neu gewählten Wormser Stadtrat ein. Allerdings glücklicher Weise nicht in Fraktionsstärke- das bleibt den Wormsern gerade noch erspart.
Nach Bekanntwerden der vorläufigen amtlichen Endergebnisse versammelten sich Antifaschist_innen aus Worms und Umgebung an der Synagoge und zogen in einer Demonstration zum Rathaus. In einer spontanen Kundgebung sprachen Redner_innen des „Runden Tischs“, des Unterstützerkreises der Flüchtlinge sowie des Bündnisses „Schöner leben – Nazis stoppen!“ und machten auf die Gefährlichkeit der NPD aufmerksam, ermutigten aber auch zu einem weiteren Engagements gegen Rechts.
Spontan kam auch Oberbürgermeister Kissel hinzu und sprach in einer kurzen Ansprache zu den vor dem Rathaus versammelten Demonstranten. Er betonte hierbei, dass es auch notwendig sei, die Ängste und Motive der Menschen, die sich bei dieser Wahl für die Nazis entschieden haben ernst zu nehmen und sich mit ihnen auseinander zu setzen.
Einige Aktivist_innen fuhren anschließend in die Wormser Karl-Marx Siedlung um vor dem Wohnhaus des Spitzenkandidaten eine Spontankundgebung abzuhalten.
Auf dem Grundstück befand sich zu diesem Zeitpunkt zunächst nur der Großvater des NPD „Spitzenkandidaten“, während sich dieser in der Wohnung aufhielt. Ziel war es vor dem Haus des neu gewählten Stadtratsmitglieds der NPD, Michael Weick eine Kundgebung durchzuführen, deren Charakter entschieden aber friedlich sein sollte – eine Eskalation sollte von der Kundgebung nicht ausgehen. Das Grundstück wurde nicht betreten oder in sonst irgendeiner Weise angegriffen. An diesen Konsens hatten sich während der gesamten Zeit alle Beteiligten gehalten.
Als sich die Aktivist_innen auf den Rückweg machten und schon einige Meter von dem Wohnhaus entfernt hatten, wurden sie unvermittelt von dem neu gewählten Wormser Stadtratsmitglied Michael Weick mit Flaschenwürfen angegriffen. Nur Glück verhinderte, dass Menschen schwer verletzt wurden. Als nun einige Antifaschist_innen an das Grundstück zurückgingen, wurden sie von Weicks Großvater mit einer Dachlatte angegriffen und als „Scheiß Kommunisten“ beschimpft bis das NPD-Stadtratsmitglied mit Pfefferspray auf die Aktivist_innen zurannte, die sich daraufhin endgültig zurückzogen.
In der Selbstdarstellung der NPD und den Kommentaren der Nazis auf der facebook- Seite der Wormser Zeitung war dann zu lesen, dass die Aggressionen von Antifaschist_innen ausgegangen seien, die einen 80-jährigen Mann mit einer Eisenstange zusammengeschlagen haben sollen. Dies stellt, leider mal wieder, eine komplette Verdrehung der Tatsachen dar und ist schlichtweg falsch. Ziel der Aktion war es nie eine direkte Konfrontation einzugehen.
Was in den Kommentaren und Stellungnahmen der Nazis im Internet verschwiegen wird: die unübersichtliche Situation begann erst damit, dass die sich schon auf dem Heimweg befindlichen und völlig friedlichen Kundgebungsteilnehmer_innen vom NPD „Spitzenkandidaten“ mit Bierflaschen, die zum Teil nur knapp die Köpfe der Aktivist_innen verfehlten, angegriffen wurden.
Dieser Aktion zeigt ein weiteres Mal, dass NPD-Kader auch schwere Verletzungen und sogar Menschenleben in Kauf nehmen.
Die spontane antifaschistische Kundgebung beweist nicht zuletzt dadurch ihre Legitimität, da sie auf die Gefahr hingewiesen hat, die von der NPD, ihren Mitgliedern und Unterstützern ausgeht.
NPD im Stadtrat, Demo und Mahnwache als Reaktion
Am Montag, dem 27.5.2014 zog eine Gruppe von der Synagoge Richtung Rathaus und machte auf den Einzug der NPD in den Wormser Stadtrat aufmerksam. Dabei waren spontane Passanten und verschiedene Akteure des lokalen Widerstandes gegen die Nazis, darunter auch die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Stella Schindler-Siegreich. Dort angekommen gab es noch eine Mahnwache, bei der Pfarrer Dr. Achim Müller, Angelika Wahl und Aktivisten vom Kritischen Kollektiv / iL Rhein-Neckar sprachen. Dabei wurde auf die Gefahr der NPD sowie auf das Wegsehen der Wormser Politik eingegangen, zum Unbehagen des anwesenden Oberbürgermeisters Michael Kissel.
Link zu den Ergebnissen der Kommunalwahl:
http://wahlen.worms.de/stadtrat/
