„Medien das Maul stopfen“
Bericht zur 8. Wormser „Friedens“-Montagsmahnwache am 28.7.2014
Nachdem bereits mehrmals im Internet über die Wormser Mahnwache berichtet (https://wormsnazifrei.wordpress.com/) und über ein Nachlassen der bundesweiten Mahnwachen gemutmaßt wurde, scheint das in Worms nicht der Fall zu sein. Ein harter Kern von 20-25 Leuten, darunter wieder AFD Chef Matthias Lehmann, kommt regelmäßig. Die inhaltliche Ausrichtung aus Antiamerikanismus, alle westlichen Medien lügen und wir sind die Wahrheit, wird ebenfalls beibehalten.
Anfang und Ende der Kundgebung hat der Musiker Hubert Kern, alias der „Fuxdeiwelswilde“ begleitet. Die Reden wurde von Stefan, Paul und Patrick gehalten, allesamt alte Hasen, die öfters in Worms reden.
Stefan sieht Russland ausschließlich als armes Opfer im Ukrainekonflikt, das vom Westen in ausweglose Situationen gebracht wurde. So hat der Abschuss des Flugzeugs MH17 laut ihm zur Folge, dass Russland sich entweder den Forderungen „des Westens“ beugen müsste oder außenpolitisch isoliert werde. Dazu werde dann der Westen, unter Führung der USA natürlich, ganz bestimmt „Unruhemomente“ schaffen, sollte sich die Ukraine für Russland entscheiden.
Paul machte bei der Ukraine gleich weiter. So ist die Antiterroraktion, welche die ukrainische Regierung im Osten des Landes macht, eine Terroraktion, gegen die eigenen Leute um den Landesteil zu entvölkern. Als Bildung empfiehlt er das Video „terroristische Aktionen gegen friedliebende Demonstranten“. Im Video sind Zusammenschnitte von Gewalt von Vermummten gegen Polizisten zu sehen, sowie Ausschnitte von RT, ein russischer staatlich finanzierter Sender. Das ganze soll ein Beleg für Manipulation der westlichen Medien darstellen. Darin wird plötzlich gegen Ego-Shooter, auch Killerspiele genannt, gehetzt (Ein Dauerthema des Besitzers von klagemauer.tv, des schweizerischen Sektengründers Ivo Sasek). Verbreitet wird das Video von den Medien, die in der Nähe zu KenFM, Compact und weitere stehen, welche homophobe Äußerungen, Chemtrails usw. verbreiten. Paul wiederholt ebenfalls die Aussage, dass die Demonstranten auf dem Maidan alles bezahlte Söldner bzw. „Lohnterroristen“ der USA waren. Die Massenmedien werden wieder einmal der Volksverhetzung, der fahrlässigen Tötung und der Vorbereitung von Angriffskriegen beschuldigt und sich auf Menschenrechte berufen.
In gleicher Tonart wird sich wieder beschwert, dass die bösen Massenmedien, die Mahnwachen unterdrücken und es völlig abwegig ist, dass es hier Verschwörungstheoretiker gibt. Die Weltkriege müssen natürlich auch wieder vorkommen, so hat die USA von allen Kriegen und den beiden großen im besonderen, überhaupt immer nur profitiert.
Besonders interessant ist noch das Medienverständnis. So sollte man in die Redaktionen, gerade der Wormser Zeitung, gehen und mal sagen, das geht so nicht, sie sollen die geheime Wahreheit drucken. Auch sollte man den Medien, die nicht die Wahrheit der Mahnwachen erkennen, „das Senderecht entziehen“ und mal „das Maul stopfen“. Pressefreiheit ist da wohl nicht so wichtig.
Auch wurde gesagt, das der Flugzeugabsturz MH17 von den USA gemacht wurde, und die USA keinerlei Beweise gegen Russland haben, während Russland eine Vielzahl unwiderlegbare Beweise dafür habe, dass man eben nicht Schuld ist.
Patrick startet dann gleich in die Vollen: 9/11 war von den USA gemacht, um endlich Krieg führen zu können. Al-Quaida wurde von den USA gesteuert, nicht nur geschaffen. Auch werden wir ständig überwacht, nicht mal unter vier Augen kann man sprechen, ohne abgehört zu werden. Auch ist der Irakkrieg genau so gelaufen, wie er von Anfang geplant war (inklusive ISIS?). Die Kriegspropaganda nach 9/11 sei auch mit der Propaganda von Göbbels zu vergleichen.
Als einmal ein kurzer Moment von kleiner Kritik an Russland auftaucht, nämlich der verübten Kriegsverbrechen der USA als auch Russland, wird sofort wieder zurück gerudert und die der USA als zahlreicher, schlimmer und insgesamt bösartiger behauptet.
Dann kam das offene Mikrophon, bei der auch Kritik geäußert werden sollte. Verbunden mit dem drohenden Hinweis, wer Kritik hat, sollte sie dort äußern und nicht woanders, schon gar nicht im Internet. Im Zusammenhang mit den Übergriffen der Mahnwächter bei ihrer zweiten Mahnwache, der seltsamen Vorstellung von Pressefreiheit und der Aggressivität gegenüber kritischen Medien, nicht besonders einladend.
Auch wurde für die Zeitung Stimme und Gegenstimme(S&G) geworben, die man besonders von Hand zu Hand weitergeben sollte, da das Internet jederzeit abschaltbar sei und kontrolliert wird. S&G ist eine primäre Online-Publikation aus dem Umfeld des oben genannten Ivo Sasek (die u.a. für seine Website sasek.tv wirbt). Inhaltlich besteht sie nach eigener Aussage aus anonymen Leserbriefen, bedient Themen der neuen Rechten (Zusätzlich uns besuchende Aliens oder auch radioaktive Zigaretten) und ist auf der inhaltlichen Linie der Mahnwache mit der lügenden, kriegstreiberischen USA und des friedliebenden Russland.
Es wurde sich mehrmals ernsthaft gewundert, warum Leute den Mahnwachen Antiamerikanismus zuschreiben. Auch wurde noch gewarnt, auf sich aufzupassen, da es jederzeit passieren kann, über Nacht mitgenommen zu werden für irgendwelche Kriege von irgendwelchen Leuten.
Insgesamt scheint die Mahnwache Worms nicht aus dem personellen gleichen Kreis der Zuhörer und Aktiven herauszukommen, die Themen sind auch meistens die gleichen, zumal die Redner immer wieder deutlich „die westlichen Medien lügen alle“ und Russland das Opfer mehrmals betonen. Fraglich, ob die Idee, Infozettel mit (natürlich DIE Wahrheit beinhaltenden) Informationsquellen zu drucken, da Abhilfe schaffen wird.
Mahnwache gegen Rechts
Aufruf zur Mahnwache zur Stadtratssitzung am 23. Juli 2014
Bei der Kommunalwahl 2014 konnte die NPD in Worms einen Stimmenanteil von 2,83% erreichen und somit ein Mandat im neu gewählten Wormser Stadtrat erreichen. Dieses Ergebnis ist mehr als nur ein Warnschuss, scheint die Stimmungsmache der NPD gegen Flüchtlinge und Menschen islamischen Glaubenes in einigen Stadteilen eine gewisse Zustimmung erfahren zu haben. Gleichzeitig ist der rechtspopulistischen „Alternative für Deutschland“ bei der Europawahl mit einem Stimmenanteil von 7,8% ebenfalls mehr als nur ein Achtungserfolg gelungen. Am 23. Juli trifft sich um 14 Uhr erstmals der neu gewählte Stadtrat.
Wir als Bündnis „Schöner leben – Nazis stoppen“, in dem sich Gruppen, Parteivertreter_innen und Einzelpersonen aus Worms und Umgebung zusammengeschlossen haben, möchten zur Teilnahme an einer Mahnwache aufrufen. Denn Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz können niemals die Antworten auf wirtschaftliche Krisenhaftigkeit und die damit verbundenen Unsicherheiten sein.
Kundgebung
am 23. Juli 2014 ab 11:30 Uhr
auf dem Wormser Marktplatz
Lasst uns gemeinsam NEIN sagen zu rechter Hetze, zu offen faschistischen Äußerungen der NPD, genauso wie zum Rassismus der AfD. Lasst uns gemeinsam zeigen, dass in unserer Gesellschaft kein Platz ist für Rassismus, Intoleranz, Verwertungslogik, Homophobie und Sexismus.
Mahnwächter werden übergriffig
Bericht zur 2. Wormser Mahnwache am 16.6.2014
Es wurde bereits in einem anderen Bericht (https://linksunten.indymedia.org/de/node/116717) über die Mahnwache als „Plattform rechter Verschwörungstheoretiker“ geschrieben. Die darin geäußerte Hoffnung, dass die Mahnwache sich von bizarren Verschwörungstheorien und rechtem Gedankengut distanziert, ist bisher nicht passiert und scheint auch nicht gewollt.
Die Veranstaltung wurde kreativ-kritisch begleitet von einem „Bullshit-Bingo“ einiger junger Leute, welches für verschwörungstheoretische, rechtsaußen Veranstaltungen gedacht ist.
Anfang und Ende der Mahnwache machte „Liederpoet“ Helmut Wingerter mit seiner Gitarre. Neben pauschalen Gesellschaftserklärungen von „die da oben“ und „wir da unten“ gab es auch interessante Feel-Good Vorschläge, einfach mal Steine nach ihrer Meinung zu fragen.
Dann hatte „Stefan“ seinen Auftritt. Nach den, bei den Wormser Mahnwachen üblichen, Aussagen dass alle Massenmedien lügen und nicht objektiv berichten (so wird ja auch die hiesige Mahnwache böswillig ignoriert) ging es zum Thema Demographie.
So werden zum Thema Rentenkasse fälschlicherweise Rentner und Arbeiter gegenübergestellt und die beiden Gruppen gegeneinander ausgespielt, um die private Vorsorge zu propagieren. Zum Nutzen für die „Finanz- und Versicherungsindustrie“. Hauptproblem ist für ihn der Kindermangel!
Dass die Rentenkasse ausgedünnt wird aufgrund von sich ausbreitenden Niedriglöhnen, sowie eine Erhöhung des Rentenbeitragsatz seitens der Arbeitgeber unerwünscht ist und somit eine Verteilungsfrage, wird nicht erwähnt.
Ein besonderes Highlight von ihm war ein Verweis auf ein Interview von Ken Jebsen auf KenFM mit dem CDU-ler Willy Wimmer zur Ukrainegefahr. KenFm war die Radiosendung von Ken Jebsen, bevor er nach Antisemitismus-Vorwürfen („Ich weiß, wer den Holocaust als PR erfunden hat“ Zitat Jebsen) vom RBB rausgeworfen wurde und nun mit eigener Sendung und im Magazin Compact, dem eine Scharnierfunktion zwischen Rechtskonservativen und extremer Rechte bescheinigt wird, seine kruden Ansichten verbreitet.
Wer mal die genannten Quellen anschaut, weiß sofort wer der Böse ist: Im fraglichen Interview wird im ersten Satz von Jebsen „der Westen“ als gesteuert von den USA genannt. Auch wird Merkel als von Washington gesteuert dargestellt, und Russland finanziell erdrückt. Wimmer bringt an dass Japan von den USA in den zweiten Weltkrieg getrieben wurde (man erinnere sich an die Aussage der ersten Mahnwache, Nazi-Deutschland wurde von Geheimdiensten in den 2. WK getrieben). Jebsen bringt zum Schluss noch die Aussage, Deutschland ist nicht souverän. Ein Chiffre für den bei Nazikreisen beliebten Mythos des immer noch von Allierten besetzten Deutschlands.
Was die Mahnwächter von den so sehnlich herbeigeredeten kritischen Medien halten, wurde deutlich als ein Fotograf die Mahnwache dokumentieren wollte. Schnell setzten sich zwei Teilnehmer in Bewegung und drängten ihn ab. Nach Drohungen, sie dürfen nicht fotografieren (was bei öffentlichen Aufzügen klar erlaubt ist) kam die Aussage „ich hau dir in die Fresse“, sowie der Versuch, mit Schlägen die Kamera zu zerstören. Hilferufe ignorierte die Mahnwache, glücklicherweise kamen die jungen Kritiker zu Hilfe.
Beim offenen Mikro musste Johannes vom letzten Mal wieder ran und stellte das Vorgehen des ukrainischen Präsidenten Poroschenko gegen die Kämpfer in der Ostukraine Genozid, mit extra gesprengten Schulen, toten Kindern, usw. da. Beleg: Ganz deutlich zu sehen in Youtube.
Plötzlich kam ihm in den Sinn, dass es gut tut, wenn alle mehrmals ganz laut „Wir sind das Medium!“ rufen.
Schlussredner war ein älterer Herr, der nach persönlichen Telefonaten wusste, dass es ganz schlimm sei in der Ukraine und die Medien (wieder mal) infiltriert waren.
Zum Ende hin kam dann die Aufforderung, dass jeder Teilnehmer 2 neue mitbringen soll (ganz nach dem Schneeballsystem), um mehr zu werden, da man wohl merkt, dass das Interesse sich stark in Grenzen hält.
Am Schluss kam wieder die Distanzierung, dass die AFD Flyer, die wieder unter dem Beisein von AFD Chef Matthias Lehman verteilt wurden, wieder nichts mit der Mahnwache zu tun haben.
Nach der heutigen Mahnwache ist keine inhaltliche Veränderung bei den Mahnwächtern abzusehen. Es bleibt abzuwarten, ob sich die Wormser Mahnwache dem Bundestrend anschließt und mit sinkenden Teilnehmerzahlen in der Bedeutungslosigkeit verschwindet. Allerdings hat der heutige Übergriff offenbart, was von den Forderungen nach Frieden zu halten ist und gezeigt, das für die Mahnwächter Gewalt durchaus akzeptabel ist.
Braune Untertöne bei Wormser Montagsmahnwache
(Entnommen von https://linksunten.indymedia.org/de/node/116717)
Ein bisschen Frieden, ein bisschen Sonne – und jede Menge braune Untertöne
Erste Montagsmahnwache in Worms hält was sie verspricht.
Kriegstreiber, Medienlüge und Finanzbetrug stoppen, zu diesen Punkten fand am Montag den 9.06.2014 die erste „Mahnwache“ in Worms statt. Im Vorfeld war die Veranstaltung insbesondere von den Rechtspopulisten der „Alternative für Deutschland“ beworben worden und dort wurden auch Flugblätter der AfD verteilt.
Bereits im Vorfeld gab es Diskussionen über den verschwörungstheoretischen Charakter der Veranstaltung. Was dann am Montag folgte waren teilweise Belanglosigkeiten wie eine längere Ausführung zu der These „Die Bank ist nicht dein Freund“ da diese tatsächlich nicht vorhandenes Geld verleihen würde um damit, man höre und staune, auch noch Gewinne zu machen.
Gefolgt von üblichen verschwörungstheoretischen Behauptungen wie, dass die Amerikaner hinter den Anschlägen auf das „World Trade Center“ stecken um einen Kriegsgrund gegen Afghanistan zu besitzen, wurde nebenbei erwähnt, dass der Auslöser des 2. Weltkrieg kein Überfall einer faschistischen Diktatur auf umliegende Staaten war, sondern dieser genauso wie der 1. Weltkrieg auf Provokationen von Geheimdiensten zurückzuführen sei, laut dem Redner „Paul“.
In einem Flugblatt, das bei der Veranstaltung verteilt wurde heißt es: „Wir haben am 2. WK nicht teilgenommen, um ca. 25% Steuern an die Besatzungsmächte zu bezahlen“ – da drängt sich natürlich die Frage auf: wofür haben „wir“ denn eigentlich „teilgenommen“? So wird im gleichen Wortlaut behauptet, dass das deutsche Volk seit 70 Jahren besetzt wird.
Wirklich zur Sache ging es dann in den Gesprächen nach der eigentlichen Mahnwache. So war es äußerst schwierig unter den diskutierenden Menschen, welche zu finden die den Holocaust nicht abstritten oder zumindest meinten man wisse letztendlich nicht ob er stattgefunden habe. Gerade auf die Frage nach der deutschen Geschichte und ob das mit den Geheimdienstprovokationen als Auslöser für den zweiten Weltkrieg wirklich so gemeint war, folgten immer wieder die selben Phrasen wie „ich habe damals nicht gelebt und habe es satt mich als Deutscher immer dafür zu rechtfertigen“.
Besonders beim Thema Ukraine kam die plumpe Anti-Amerika Haltung zum Vorschein. So wurde zu Russland von „einwandfreien Referenden“ und ignorierten objektiven russischen Berichten geredet. Für die USA gab es nur Ausführungen wie „Putschregierung“, CIA-Agenten und die Demonstranten auf dem Maidan waren alles bezahlte Söldner. Garniert wurde das mit Ausdrücken wie „Unser Blut wird fließen“, „Wir erwachen aus unserem Schlaf“ und weiteren.
Bei den Massenmedien sind sich die Mahnwächter nicht so sicher, einerseits lügen sie alle (!) . Andererseits werden Youtube-Videos als zuverlässige Informationsquelle genannt, aber gleichzeitig vor der bösen Youtube-Propaganda gewarnt.
Insgesamt wirkte die Veranstaltung irgendwie wie eine Mischung aus NPD Stammtisch trifft Scientology.
Vor diesem Hintergrund wird erneut deutlich, wie schwierig die Einschätzung der Montagsmahnwachen oft ist. In einigen Städten wurde mittlerweile eine klare Trennlinie zu bizarren Verschwörungstheorien und rechtem Gedankengut vollzogen, sodass eine pauschale Bewertung der Bewegung schwierig ist.
Da es sich in Worms um die erste Veranstaltung dieser Art handelte bleibt abzuwarten, in welche Richtung die weitere Entwicklung der „Montagsmahnwachen“ geht. Schafft es diese Bewegung sich wie auch in anderen Städten zu einer „Friedensbewegung“ zu emanzipieren oder bleibt sie das, was sie zumindest in Worms momentan zu sein scheint: eine Plattform für rechte Verschwörungstheoretiker.
Nachbericht Vortrag Rechtspopulismus und rechte Krisenlösungen
Referent Andreas Kemper (von https://andreaskemper.wordpress.com/kontakt/)
Am Freitag, den 23. Mai 2014 fand im Café Affenhaus in Worms die Veranstaltung „Rechtspopulismus und rechte Krisenlösungen am Beispiel der Alternative für Deutschland“ mit dem Referenten Andreas Kemper aus Münster statt. Veranstalter waren das Kritische Kollektiv / iL Rhein-Neckar, die Grüne Jugend Worms und die Linksjugend Worms. Der Publizist, Blogger und Soziologe Andreas Kemper arbeitet zu den Themen Bildungsbenachteiligung, Klassismus, Sozialselektivität und Biologismus.
Das Café war für den großen Andrang zu klein, über 30 Leute wollten mehr über die Gefahren der neuen rechten Partei wissen, die an diesem Wochenende vermutlich ins Europaparlament einziehen wird.
Kemper ging auf die Vorgängerorganisationen ein, die mittels einer „neuen konservativen Revolution“ das Wählerpotenzial, welches Sarrazin angesprochen hatte, in eine neue Partei gießen wollte und beleuchtete die Verbindungen der AfD-Gründer mit den Verbänden der Familienunternehmen, aus denen massive finanzielle Unterstützung für die neue Partei gezahlt wurde.
Der Referent trug seine Recherchen zu den Spitzenkanidaten für die Europwahl vor, welche die beiden großen Themen und Konfliktlinien innerhab der AfD aufzeigten. So stehen Hans-Olaf Henkel und Bernd Lucke für die neoliberale Linie, die mittels eines Umbaus der demokratischen Entscheidungsstruktur (wie zum Beispiel die Einschränkung des Wahlrechts für Arme) einen umfassenden Abbau der Sozialsysteme und eine Absenkung der Löhne für Geringverdiener fordert. Die nationalliberale Linie der aktuell 18.000 Mitglieder starken Partei bedient das rechtspopulistische, evangelikale und adlige Klientel, welches Themen wie Migration und Familie reaktionär umdeutet. Dies hat auch zu unschönen Schlagzeilen von Zusammenarbeit mit Neonazis und Faschismusrelativierungen geführt. Aus diesen Ausrichtungen entstehen auch Spannungen, die bei Koalitionsfragen auftreten werden.
Die anschließende Diskussion drehte sich unter anderem um den überraschenden Wahlerfolg der AfD und warum sie so viel Erfolg hat bei Menschen, die sie eigentlich verachtet. Die Antwort von Andreas Kemper darauf war, dass zum einen die Leute nur langsam verstehen, was die AFD wirklich will und merken dass sie nicht ihre Interessen vertritt.
